Turkei_Alanya

Steigt man ins Flugzeug, um von Deutschland aus nach Trabzon zu gelangen, dann unterscheidet sich das Bild der Fluggäste deutlich von dem, das deutsche Touristen aus den Ferienfliegern nach Antalya gewohnt sind. Die Mehrzahl der weiblichen Passagiere trägt Kopftücher und ist in traditionelle türkische Kleider gewandet. Und spätestens am Flughafen-Gate wird deutlich, dass die Ein-Stück-Handgepäck-Regel der Fluggesellschaften hier allenfalls als freundliche Empfehlung aufgefasst wird.

Keine Frage – die Hafenstadt an der Schwarzmeerküste, knapp 200 Kilometer von der Grenze zu Georgien entfernt, zählt bei Deutschen nicht zu den touristischen Top-Zielen der Türkei. Allerdings ist sie für Studienreisende oft die erste Station auf einer Reise durch die Ost-Türkei. Außerdem ist Trabzon nach Süden, Osten und Westen durch gute Straßen angebunden und eignet sich damit für einen Zwischenstopp für Reisende, die entlang der Schwarzmeerküste unterwegs sind.

Auf der Fahrt vom acht Kilometer außerhalb gelegenen Flughafen in die Innenstadt präsentiert sich die Viertel-Millionen- Stadt noch nicht als besondere Schönheit. Vorstadtsiedlungen haben entlang der Küste die landwirtschaftlichen Flächen weitgehend verdrängt, denn der schmale flache Streifen zwischen der Küste und den Ausläufern des Pontischen Gebirges wird benötigt, um der vom Land in die Städte drängenden jungen türkischen Bevölkerung Unterkünfte zu bieten.

Quirlige Stadt mit kleinen Oasen.

Interessanter wird die Kulisse, wenn man sich dem Stadtzentrum nähert. Dieses erstreckt sich hinter dem ersten kleinen Hügel rings um den Atatürk Alani. Der rechteckige, parkartige Platz bildet mit seinen schattenspendenden Bäumen einen Ruhepol im ansonsten recht turbulenten Gewimmel der Innenstadt. Rings um den Platz liegen entlang der Haupt- und Nebenstraßen zahllose Boutiquen, Cafés, Restaurants und Hotels.

In westlicher Richtung läuft man am Basar vorbei zum Festungshügel mit dem alten Ortsteil Orta Hisar. Oberhalb eines tief eingeschnittenen Tales ist hier die Festungsmauer aus dem 14. Jahrhundert noch erhalten. Auf die gleiche Zeit ist die heutige Form der Orta Hisar Moschee zurückzuführen. Die ehemalige christliche Kirche, benannt nach einer Marien-Ikone, der »Goldköpfigen Muttergottes«, wurde im 15. Jahrhundert, nachdem die Osmanen Trabzon eingenommen hatten, in eine Moschee umgewidmet.

Als Moschee fungierte vom 15. Jahrhundert an auch Trabzons berühmtestes Gebäude, die Hagia Sophia der Stadt. Die einstige Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert befindet sich rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt auf einer Anhöhe. Sie wurde in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts komplett restauriert und ist seither ein Museum. Neben gut erhaltenen Fresken macht auch ein Teegarten den Besuch lohnend. Hier können sich Gäste bei einem Glas unter freiem Himmel von ihren Entdeckungstouren erholen.
Sehenswert ist auch die weiße dreistöckige Atatürk-Villa im Villenviertel südwestlich der Innenstadt. Der 1903 fertiggestellte Bau, den der türkische Staatsgründer 1924 anlässlich eines Besuchs in Trabzon als Geschenk erhielt, ist heute ebenfalls ein Museum, das eine Reihe von Atatürk-Souvenirs ausstellt.

Magisches Bergkloster.

Die spektakulärste Attraktion finden Besucher aber im Zigana-Gebirge, 40 Kilometer südlich von Trabzon. Das byzantinische Sumela-Kloster klebt hoch über den Nadelwäldern an einer steilen Felswand. Wer die Anlage mit ihren Innenhöfen, Gästeräumen und freskengeschmückten Kapellen besichtigen will, kann dies mit einem netten Spaziergang verbinden. Vom Parkplatz unten am Fluss mit einem Café und Souvenirshops führt ein etwas steiler, aber nicht allzu schwieriger Weg durch den Wald bis zum Kloster hinauf.

Christian Schmicke

Praktische Infos

An-/Abreise: Sun Express fliegt von Frankfurt, Köln/Bonn und Stuttgart einmal pro Woche nach Trabzon. Außerdem fliegen Sun Express und Turkish Airlines täglich via Antalya, Istanbul und Izmir die Stadt an.
Klima: An der Schwarzmeerküste fällt erheblich mehr Regen als in der übrigen Türkei. Das Gebirge im Landesinneren ist häufig wolkenverhangen. Die Temperaturen sind moderat.
Sehenswürdigkeiten: Museum von Trabzon: Ausstellung volkskundlicher und religiöser Gegenstände in einer Villa im italienischen Stil.
Hagia Sophia: Erst Kirche, dann Moschee, nun Museum. Sehenswerte Fresken. www.muze.gov.tr/trabzonhagiasophia

Atatürk-Villa: Kleines Museum  mit Utensilien des Staatsgründers und Ausblick über die Stadt.
Sumela-Kloster: Byzantinische Anlage in imposanter Lage.

Quelle: travel.one

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